Gedicht Oskar Freysinger

Die Schweizer Garde
von Oskar Freysinger

Für karge Kost und Gotteslohn
Bewachen sie Sankt Peters Thron.
In ihnen wohnt der edle Geist,
der die Gewalt in Schranken weist.
Sie trotzen seit fünfhundert Jahren
Dem Zahn der Zeit und den Gefahren
Und haben oftmals Blut und Leben
Zur Ehre unsres Herrn gegeben.

Was sie bewachen sieht man nicht,
es ist ein kleines, warmes Licht,
das selbst der Edelstein verkennt,
weil's nur im Herzen richtig brennt.
Verlöscht dies Licht im Menschen drin,
macht auch St. Peter keinen Sinn,
und tausend reichverzierte Kerzen
stehn machtlos vor der Nacht der Herzen.

Drum wacht der Wachsoldat in Rom
nicht über den Petersdom,
sondern über die inneren Lande,
den Ursprung aller Menschenbande.
Er tut es seit Generationen
Ohne sich selbst zu schonen
und wird das Lösungswort der Wachen
unzähl'gen Nachfolgern vermachen.

Denn stets stehen neue Gesichter
auf Wache vor dem Weltenrichter,
die Menschen hinter der Hellebarde
sich ändern, doch nicht die Garde.
Kein Zeitgeist wandelt ihren
Sinn, denn tief in ihrem Herzen drin
ist sie dem Göttlichen verpflichtet,
das sich nicht nach den Moden richtet.

Die Garde ist ein Häuflein bloss,
doch Pflicht und Dienst machen sie gross,
wacht sie doch für die Ewigkeit
Über das Herz der Christenheit.


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